Hype um Wissensgesellschaft
Ansätze zu technokratischer und wissensbezogener Verklärung sind durchaus festzustellen. Insbesondere in der Soziologie reihen sich seit fünfzig Jahren Ansätze aneinander, die hinter der Leuchtkraft von Information und Wissen andere Aspekte des sozialen Lebens verblassen lassen.
Nun sind aber kaum ExponentInnen auszumachen, die in einer dogmatischen Weise die Gesellschaft wesenhaft und ausschliesslich als Informations- oder Wissensgesellschaft deuten. Ein Hang zur Übertreibung ist aber schon zu verzeichnen. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in konkreten Zusammenhängen eine Hochglanz-Ideologie von Wissensgesellschaft dazu dient, sozial und kulturell fragwürdige Modernisierungsoffensiven zu legitimieren.
Die Betonung von Wissen kommt aber nicht von ungefähr. In einer abgemilderten Form stimme ich Daniel Bells vierzig Jahre alter These zu: Der Umgang mit Wissen ist zum dynamischen Zentrum moderner Gesellschaften geworden. Das legt einen pragmatischen Umgang mit dem Begriff der Wissensgesellschaft nahe - kombiniert mit einem faktennahen Blick auf verschiedene Felder gesellschaftlicher Entwicklung. Die bilden ein widersprüchliches Gewirr. Das lässt sich wohl vor dem Hintergrund der Wissensgesellschaft reflektieren. Aber nicht einfach mit diesem Einzelbegriff erfassen.
(1) „Einleitung zur Diskussion über die Wissensgesellschaft.“ in: Gemperle, M.; Streckeisen, P. (Hrsg.): Ein neues Zeitalter des Wissens? Kritische Beiträge zur Diskussion über die Wissensgesellschaft. Zürich: Seismo, 2007.
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