taktil

20.4.08

Matte Beine

Nach dem Zürich Marathon

Mit etwas matten Beinen aber schon ziemlich gut erholt blicke ich auf den Marathon zurück. Mit 3:54 habe ich meine angepeilte Zeit genau erreicht. Nicht so perfekt geklappt hat der Vorsatz, ziemlich gut erhalten am Ziel anzukommen. Nach einem mulmigen Gefühle aus dem Bauch auf den Kilometern 36 bis 38 musste ich etwas drosseln und so richtig erholt man sich dann bis zum Ziel nicht mehr.

Die Bedingungen waren perfekt, die Mitlaufenden angenehm. Ein paar Stunden urban lifestyle der besonderen Art.

Nun freue ich mich auf die Pizza heute Abend und danke allen, die mir einen guten Lauf gewünscht oder an der Strecke gefant haben.

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19.4.08

Kribbeln im Gewebe

Vor dem Zürich Marathon

Gestern Mittag brach beim Abholgen der Startnummer kurz der Frühling los. Milder Sonnenschein, schon fast etwas warm zum Rennen. Die LäuferInnen sind von den Organisatoren einmal mehr perfekt bedient worden. Einfach zum Slot mit der eigenen Startnummer hingehn, null Schlange, ein freundliches Wort - das war’s.

Dann zehn Minuten am Stand einer Firma für Sport-Ernährung. Da ein Mittel für den Aufbau von Laktatpuffern gegen Übersäuerung, dort ein paar Portionen Kreatin reinhauen… Der Verkäufer versteht sein Metier und erzählt nicht einfach Hype. Tatsächlich bezieht er sich auf Probleme, die im Kapitel Sportbiologie meines Grundlagenhandbuchs beschrieben sind. Die ich allerdings nicht sehr weitgehend nachvollziehen kann - Fensterplatz im Chemieunterricht…

Heute macht sich nun langsam ein Kribbeln im Gewebe breit. Leichte Nervosität ist erwünscht, um langsam die Energiepotentiale in Standby hochzufahren. Heute Nachmittag noch ein letzter Bummel im Start/Ziel Gelände. Dann beginnt der Sog des schwarzen Lochs zu wachsen. Morgen um 0830 heisst es dann eintauchen in den RaumZeit-Tunnel am Zürichsee.

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17.4.08

Marathon chic

Vor dem Zürich Marathon

Wer einen Marathon mit einem Hauch von Chic und einem Minimum an Leiden angehen will, ist mit dem Buch „You can do it“ von Jeff Galloway gut beraten. Am besten gefällt mir die Einstellung, dass es verschiedene Haltungen zum Laufen geben kann. Der Schwerpunkt des Autors liegt nicht beim Tempobolzen, sondern bei einer lockeren Grundhaltung, die Wohlbefinden, Spass und Gesundheit in den Mittelpunkt stellt.

Galloway rät für das Ausdauertraining und den Wettkampf zu einem abwechselnden Bewegungsmuster: Einige Minuten laufen - eine Minute gehen. Die Abwechslung lockert Muskulatur und wirkt einer monotonen Belastung von Bändern und Gelenken entgegen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen: Mit einer bestimmten konditionellen Substanz kommt man so einfach weiter. Und die Beine fühlen sich besser.

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14.4.08

Gefühle im Schuh

Vor dem Zürich Marathon

Weil wir sowieso nur das empfinden können, was irgendwie schon da ist, fällt eine Gefühlsprognose für den Marathon am nächsten Sonntag leicht. Natürlich kann schon mal was dazwischen kommen… Hier trotzdem eine sentimentale Prognose für 42 Kilometer.

Dubios - das erste Viertel. Nach dem Start legt sich die Nervosität, man wird langsam warm und kann es noch nicht ganz fassen. Finde ich den Rhythmus? Warum zwacken ein paar Muskelfasern am Unterschenkel? Fühlt sich der linke Schuh nicht etwas seltsam an?

Protoeuphorie - das zweite Viertel. Es geht doch erstaunlich easy dem Zürichsee entlang hin zum Wendepunk. Warm pulsiert das Blut. Der Verdauungstrakt schiebt Kohlenhydrate nach. Die Schritte fühlen sich elastisch an. Der See zieht zügig vorbei, du gleitest durch die Landschaft.

Optimismus - das dritte Viertel. Na ja, es zieht etwas in den Beinmuskeln und die Schritte fühlen sich etwas schwerfälliger an. Perfekte Leichtigkeit wäre anders, aber es geht ja ganz passabel. Die antrainierte Substanz lässt sich ja wirklich mobilisieren.

Wandschieben - das letze Viertel. Die Wende beim Opernhaus gibt Dir einen leichten Knacks. Nochmals stadtauswärts. Du ahnst die Wand vor Dir. Ein Tropfen des Gels mit den langen Zuckermolekülen klebt im Mundwinkel. Die Beine fühlen sich matschig an und möchten kurz auf einen Liegestuhl. Das Ego unterliegt einer sentimentalen Dekonstruktion. Gerade rechtzeig erscheint Kilometer 40 - die Verheissung des Eintritts ins Nirwana.

Leichtigkeit - nach der Ziellinie. Geschafft, die Leichtigkeit des Seins regiert. Probleme, Pendenzen, Trainingspläne - alles weit weg. Bloss die Füsse und den Schuhen fühlen sich beim Gehen etwas seltsam an. Vorboten der baldigen Wiederankunft im wirklichen Leben.

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13.4.08

42,195 Kilometer zum Nirwana

Vor dem Zürich Marathon

In einer Woche werde ich zusammen mit ein paar tausend anderen Läufern dem Zürichsee entlang - na ja, beamen wäre etwas übertrieben. Es werden im Durchschnitt so 11 km/h sein, für den Weltrekord wäre fast das Doppelte nötig.

Rekorde stehen nicht auf dem Programm. Dafür aber der Spass, in einer freundlichen Meute ein paar Stunden zu vertrödeln. Selten erlebt man auf Zürichs Strassen Szenen, wie vor dem Start. Eine ganze Menge ausgesprochen gut gelaunter und freundlicher Menschen. In den Minuten vor dem Start flimmert die Luft über dem Feld. Eine heisse Sache.

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22.3.08

Olympisches Zwielicht

Dass China sich rapide modernisiert und sich mit den olympischen Spielen der Welt im besten Licht präsentierten will, kann leicht nachvollzogen werden. Eine andere Geschichte ist dann aber, dass der chinesische Staat als diktatorisches Regime herrscht. Diese Art von Regierungen sind besonders begierig darauf, Olympiaden und ähnliche Grossveranstaltungen zur Stärkung ihrer Legitimität einzusetzen.

Genau an dieser Legitimität fehlt es China im Tibet. Die militärische Eroberung und die anschliessende Integration in den chinesischen Nationalstaat geschah gegen den Willen der grossen Mehrheit der tibetischen Bevölkerung. Neben die politische Kontrolle tritt eine von Peking subventionierte Migration, welche die guten Positionen in Wirtschaft und Verwaltung besetzt.

Boykottdrohungen sehen in der momentanen Situation nicht unbedingt erfolgversprechend aus. Klare Positionsbezüge sind hingegen angebracht. Wer sich mit problematischen Regimes auf symbolische Inszenierungen einlässt, findet sich nicht unerwartet in der Rolle des Legitimitätsbeschaffers wieder. So haben sich das Internationale Olympische Komitee, aber auch Denkmalbauer wie Herzog & de Meuron, auf einer ganz anderen Ebene exponiert als etwa ein europäisches Unternehmen, das Rollkoffer oder Spielzeug in China herstellt.

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2.3.08

Hypertext und Buchmaschine

In den neunziger Jahren wurde der Begriff des Hypertext mit dem World Wide Web und den entsprechenden Links auf den Webseiten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das Konzept hat weit zurück liegende Ursprünge. Als eine Vorform können etwa die Verweise in Lexika angesehen werden, die auf andere Einträge zeigen.

Pionier einer enger gefassten Idee von Hypertext ist der Belgier Paul Otlet (1868-1944). In seinem Werk Traité (1) konzipiert er die Vorstellung von Buch neu als Informationsmaschine. Dabei lädt er den Begriff des Buchs weit über die Idee eines Informationscontainers hinaus auf und bewegt sich in Richtung einer Systemtheorie. Er fasst das Buch gleichzeitig als Organismus, Energiefluss und Geist (2).

Otlet schlägt vor, Texte in kleine Blöcke herunterzubrechen. Die sollen mit einem dynamischen System von Indexkarten verknüpft werden. Ohne dass sich in der Zwischenzeit entsprechende Technologie abgezeichnet hätte, sah Otlet eine fernbedienbare multimediale Plattform kommen, die „la radio, les rayons Röntgen, le cinéma et la photographie microscopique“ integrieren sollte (3).

Otlet war ein Visionär, der von der Fragestellungen des Bibliothekswesens und der Dokumentenverwaltung her kam. Ein direkter Einfluss auf die Entwicklung computerbasierten Hypertexts ist kaum nachzuweisbar ist. Otlet macht deutlich, dass wachsende Dokumenteberge und eine veränderte Haltung zur Sprache optimistische Erwartungen auf technische Verarbeitung von Texten weckte.


(1) Traite de Documentation (1934).
(2) Ronald E. Day: The modern invention of information: discourse, history and power. 2001
(3) http://www.laetusinpraesens.org/docs/otlethyp.php

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17.2.08

Gesellschaft kybernetisch

Historisches zum Informationsbegriff 5

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen völlig neue Einflüsse auf den Informationsbegriff einzuwirken. Besonders wirksam wurde das aus der Nachrichtentechnik stammende mathematisch-statistische Konzept.

Ein weiterer einflussreicher Faktor wurde nach dem 2. Weltkrieg die Semiotik. Obwohl die moderne Zeichentheorie bis ins 19. Jh zurückreicht, begann sie erst jetzt an Einfluss zu gewinnen. Charles W. Morris aktualisiert in Signs, Language and Behaviour (1946) einen alltagssprachlichen Informationsbegriff, indem er das Moment der Wirkung von Zeichen auf die Empfänger hervorstreicht.

Basierend auf Fragestellungen des Bibliothekswesens, der Dokumentenablage und der betrieblichen Informationsverarbeitung gewinnt die Informationswissenschaft an Bedeutung. Sie reflektiert das Potential zur maschinellen Datenverarbeitung, die in Form von Lochkartenverarbeitung und Röhrencomputern Gestalt annimmt. Informationen werden als formalisierte, maschinenlesbare Daten verstanden. Die Herausforderungen der Datenverarbeitung bringen 1950 auch den neuen Begriff des „information retrieval“ bei C. Mooers hervor.

Den grössten Einfluss übt aber die Nachrichtentechnik aus. Ralph Hartley befasst sich im Artikel „Transmission of Information“ schon 1928 mit elektrischen Übertragungssystemen. Bahnbrechend ist aber die Arbeit von Shannon und Weaver. Die grenzen die Fragestellung deutlich von kulturell-gesellschaftlichen Bedeutungsfragen ab. Information ist im diesem technischen Kontext ein Mass der Entscheidungsfreiheit beim Aussuchen einer Nachricht aus anderen. In der mathematisch-statistischen Darstellung Shannon und Weaver ist Information „ein Mass für die Unwahrscheinlichkeit des Eintretens eines zufälligen Ereignisses“ (1).

Ausgehend von diesem Informationsbegriff und der Theorie der Regelungstechnik kreiert Norbert Wiener 1948 den Begriff der Kybernetik. Übertragungsprozesse bei Materie, einfachen Lebewesen oder kultureller Kommunikation werden mit einem einheitlichen Konzept analysiert. Wiener fasst den Informationsbegriff im Sinne der Wirkung von Nachrichten, die Zustandsänderungen von Systemen hervorrufen.

Diese Metatheorie beanspruchte übergreifende Geltung und beeinflusste in den technokratisch geprägten 60er Jahren die Gesellschaftswissenschaften und die Biologie erheblich. Sie wirkte in die Gesellschaft hinein und schien Vorstellungen einer Planwirtschaft sowjetischen Musters ebenso wie eine gelenkte Gesellschaft nach dem Geschmack von De Gaulle zu legitimieren. Die neoromantische Jugendbewegung der sechziger Jahre läutete den vorläufigen Niedergang der technokratisch kybernetischen Visionen ein.


(1) Rafael Capurro: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. S 211.

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13.2.08

Körper, Geist und Information

Historisches zum Informationsbegriff 4

Im Zeitalter der Aufklärung haben sich Denkschulen kristallisiert, die bis heute wirksam sind. Zentral erscheint die Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten menschlicher Erkenntnis.

Der Rationalismus beruht bei Descartes auf einer Haltung des Skepsis. Es gibt keinen spontanen Fluss von Informationen zwischen der äusseren Welt und dem Bewusstsein. Gegenstände der Aussenwelt hinterlassen durch einen mechanischen Formungsprozess Eindrücke. Erkenntnis und Wissen entsteht aber erst, wenn der Geist sich dem Gehirn und den dort gespeicherten Eindrücke zuwendet. Der Informationsbegriff bei Descartes bezieht sich also auf hoch geistige Wissensinhalte.

Descartes geht von einer völligen Trennung von Körper und Geist aus. Der Körper erneuert sich ständig, die Seele bleibt konstant. Sie informiert als Konstante den Körper. Wie kann aber Informationsaustausch respektive Kommunikation zwischen einer immateriellen Substanz wie der Seele und der Materie stattfinden? Capurro interpretiert Descartes Position so: Das Verhältnis zwischen Geist und Körper ist hierarchisch, Information funktioniert als Erteilen von Anweisungen und Befehlen (1).

Ganz anders sieht das der englische Empirismus. Thomas Reid als Erfinder des „common sense“ wendet sich gegen den Skeptizismus im Verhältnis zwischen Bewusstsein und Gegenstand. Er postuliert einen von der Natur in Gang gesetzten Informationsprozess, in dem wir Informationen aus unseren Sinneswahrnehmungen empfangen. Diese wiederum sind informiert durch die Natur. Informationen erscheint hier als weitgehend spontan fliessender Strom von Nachrichten, der von der Umgebung ins menschliche Bewusstsein fliesst.

Die Stärke dieser Positionen ist es, die Problematik des Informationsbegriffs in das Umfeld von Erkenntnis- und Interpretationsprozessen einzubetten. Ob sie diese Prozesse hinreichend aufhellen, ist eine andere Frage.


(1) Rafael Capurro: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. S. 152

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10.2.08

Information in der Alltagssprache

Historisches zum Informationsbegriff 3

In der Neuzeit beginnt der Informationsbegriff in den europäischen Nationalsprachen aufzutauchen. Die direkte Nachkommenschaft des Französischen vom Latein und dessen starken Einflüsse auf das Englische machen plausibel, dass das hier früher geschah als im Deutschen.

Im Französischen ist im 15. Jahrhundert das Auftauchen des Begriffs im Sinne von „jemanden in Kenntnis setzen“ nachgewiesen. Das ist eine Verschiebung des spezialisierten pädagogischen Informationsbegriffs des Mittelalters hin zu einem alltagssprachlichen Gebrauch. Der Begriff kam sowohl als enformer wie als soi infourmer schon im Spätmittelalter vor (1).

Für das Englische häufen sich seit dem 14. Jahrhundert die Belege. Da taucht der Begriff Information auch in der Alltagssprache auf und zwar im modernen Sinn von informieren. Ins Deutsche wird der Begriff im 15. Jahrhundert übernommen. Dabei wurde allerdings die traditionelle pädagogische Bedeutung beibehalten. Erst im 19. Jahrhundert dringt der Informationsbegriff in die deutsche Alltagssprache vor.

Das heisst natürlich nicht, dass vorher im deutschsprachigen Raum keine Vorstellung und Begrifflichkeit fürs Informieren vorhanden gewesen wäre. Ein Teil der Bedeutung wurde etwa mit dem Begriff der Nachricht abgedeckt. Man sagte beispielsweise „das dienet mir zur nachricht“.


(1) Rafael Capurro: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. S. 143

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6.2.08

Gott ist informiert

Historisches zum Informationsbegriff 2

Das antike Latein hat die Konturen des griechischen Informationsbegriffs aufgenommen. Information bedeutet sowohl die Handlung des Formens wie auch den Zustand der Formung. Der Begriff erscheint im Zusammenhang mit Philosophie, aber auch Handwerk und Gartenbau. Capurro (1) bringt etwa das Beispiel einer Einteilung des Gartens in Beete bei Columella im 1. Jahrhundert. Der Informationsbegriff bleibt im pädagogischen Sinn weit verbreitet mit beiden Momenten - Wissensvermittlung und sittliche Bildung.

Massgeblich für das spätere Mittelalter wurde Thomas von Aquin, der aus Christentum und der Philosophie des Aristoteles eine Synthese zu bilden versuchte. Im Zusammenhang mit Erkenntnis lehnt Thomas eine dualistische Trennung von empirischer Erkenntnis und Ideen ab. Ebenso eine absolute Trennung von Erkennendem und seinem Gegenstand.

Im Rahmen einer organischen Sicht postuliert Thomas eine höhere Einheit von Erkenntnis und Erkenntnisgegenstand. Sie wird durch gegenseitige In-Formation hergestellt, durch kommunikativen Austausch. So betont er den Mitteilungscharakter und die sprachliche Dimension des Informationsbegriffs.

Dass überhaupt eine gewisse Trennung zwischen Erkenntnis und Erkanntem vorliegt, ist für Thomas von Aquin ein Zeichen weltlicher Erkenntnisprozesse. In Gott findet kein Informationsprozess statt: Er ist eins mit dem potentiell zu erkennenden.

Die paar Bemerkungen verweisen darauf, wie stark der Informationsbegriff mit den grossen erkenntnistheoretischen Diskussion der letzten zweieinhalb Tausend Jahre verknüpft ist. Neu seit der Spätantike und im Mittelalter ist, dass nun der liebe Gott als perfekt informierte und allwissende Instanz gedacht wird.



(1) Rafael Capurro: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. München, Saur 1978

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2.2.08

Vom Wachsabdruck zum Internet

Historisches zum Informationsbegriff 1

Nachdem wir kürzlich in der Digitalen Allmend über den Informationsbegriff diskutiert haben, sind ein paar spannende Fragen offen geblieben. Um die verschiedenen Facetten etwas besser zu verstehen, kann ein Blick in die Geschichte des Begriffs nützlich sein. Erstaunlicherweise ist in den letzten Jahrzehnten nicht enorm viel dazu geforscht worden. Wir greifen interessiert zu einem älteren Werk von Capurro (1)

Im antiken Griechenland wurde die Landschaft des Informationsbegriffs vorbereitet. Da wurde verschiedentlich das Bild des Einprägens einer Form in weichen Wachs verwendet. Das Bedeutungsfeld von Form, Umriss, das Prägende und Geprägte wurde noch von verschiedenen Begriffen abgedeckt, die dann im lateinischen informatio aufgenommen werden. Capurro nennt in seiner Untersuchung drei, nämlich Typos (heute in Typografie), Morphe (in Morphologie) und Idea (Idee),

Die griechische Antike hat Aspekte entwickelt, die bis heute die Vorstellungen von Information mit prägen:

  • Der Informationsbegriff war (und ist) abhängig von der jeweiligen Erkenntnistheorie. Wenn Platon eine strikte Trennung zwischen der Welt der Ideen und jener der empirischen Wahrnehmungen postuliert, kommt ein ganz anderes Konzept von Information heraus als etwa bei Aristoteles.
  • In der Antike zeigen sich bereits die verschiedenen Fachgebiete, für die ein Informationsbegriff Verwendung findet. Pädagogik (Vermittlung von Wissen und Normen), Philosophie (Erkenntnistheorie, Ontologie als Frage nach dem Sein), Biologie (was in-formiert was im Zeugungsprozess). Hinzu kommt ein künstlerisch handwerklicher Bereich.
  • Die Fragestellung nach den Zeichen (Sprache und Schrift) sowie nach Vorgängen der Kommunikation ist präsent. Letzteres etwa im griechischen Begriff der Botschaft. Der teilt mit dem modernen Informationsbegriff einen Aspekt von Öffentlichkeit und eine Struktur Ereignis-Sendung-Bote-Empfänger.

Alles klar? Mir nicht. Weil Information so zentral ist, hängt sie eben schon vor dem Internetzeitalter mit allen möglichen Aspekten des Lebens zusammen.

(1) Rafael Capurro: Information. Ein Beitrag zur etymologischen und ideengeschichtlichen Begründung des Informationsbegriffs. München, Saur 1978

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