In einem äusserst anregenden
Referat hat Rasmus Fleischer die These vertreten, dass im digitalen Zeitalter die Unterscheidung von ProduzentInnen und KonsumentInnen aufgelöst und darum nicht mehr angemessen ist. Wie passt diese These zu einem Internet, auf dem zunehmend mehr Markt erscheint, Geld verdient wird und Produkte der Konsumindustrie herum geschoben werden?
Es erscheint sinnvoll, Potential und Realität zu unterscheiden. Tatsächlich setzen digitale Technologien ganz neue Potentiale frei, digitalisierbare kulturelle Gegenstände zu bearbeiten, zu transformieren, zu kombinieren und weiter zu verbreiten. Aufgrund der tiefen Kosten sind diese Möglichkeiten einem erheblichen Teil der Weltbevölkerung zugänglich. Tatsächlich haben digitale Technologien das Potential, die Positionen von Produktion und Konsumation zu überschreiten - abseits von staatlicher oder kommerzieller Machtballung neue kulturelle und kommunikative Formen zu ermöglichen. Sie haben gleichzeitig auch das Potential, die Infrastruktur für äusserst konventionelle Formen von Marktkultur abzugeben.
Ein Blick auf das real existierende Internet macht deutlich, dass die innovativen Potentiale lebhaft genutzt werden. So unüberblickbar die Netlabels oder Blogs auch sind: Das Segment der Beteiligungskultur auf dem Internet ist doch beschränkt. Dominant ist das Segment der kulturellen Warenwirtschaft, in der keinerlei Verwischung von Produktion und Konsum festzustellen ist. Stellt sich die Frage, wo jene Teile der Tauschbörsen einzuordnen sind, auf denen nur Produkte der Kulturindustrie herum geschoben werden. Soweit hier einfach Industrieprodukte unter passiv Konsumierenden weiter gegeben werden, muss hier wohl eher von einem gratis SecondHand Segment am Rand der Kulturindustrie als von neuen kulturellen Formen gesprochen werden.
In dieser Perspektive rückt neben Copyright und Kulturindustrie eben auch ein dritter Player ins Rampenlicht, welcher der Entfaltung einer machtarmen und kommunikationsreichen Informationsgesellschaft im Wege steht: die konsumistische Haltung zahlreicher NutzerInnen.
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