taktil

26.7.06

ZVV: Wir sind auch ein Steamer

Die Passagiere leiden in diesen Zeiten an Temperaturen gegen 40 Grad in den S-Bahnen, Bussen und Trams des ZVV. Nicht nur an Hitzetagen, auch an normalen Sommertagen behandelt der Zürcher Verkehrsverbund seine KundInnen wie kochbedürftige Lebensmittel. Herrschen draussen noch angenehme 28 Grad, werden die Fahrgäste in Züricher Trams und Bussen gut und gern mit 32 Grad traktiert.

Geeignete Werbeträgerin wäre da Martina Hingis, die ohnehin schon in Sachen Steamer und Backofen auf dem Bildschirm unterwegs ist.

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15.7.06

Musik aus dem All

Ob der Zürcher Platzspitz wirklich „aus dem Weltall mit GPS-Signal beschossen“ wurde, wie das die NZZ formulierte, bleibt dahin gestellt. GPS Satelliten bestrahlen ja den ganzen Planeten.

Jedenfalls wandelten am 12. Juli etwa ein Dutzend Musizierende durch den Platzspitz. Den Takt hat ihnen ein tragbares Geräte am Arm vorgegeben, das je nach Zone des Areals einen neuen Rhythmus liefert. Die Gongschläge erzeugen einen Hauch von fernöstlicher Stimmung in der Nachmittagshitze. Im Hintergrund wummern die Baumaschinen von Platzspitz Nord.

Die Performance „China Gates“ hat im Rahmen der „Digital Art Week“ stattgefunden. Veranstaltet vom ETH Institut für Computersysteme, das sich mit wearable computing beschäftigt.

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8.7.06

iGesellschaft: Freie Kulturen - freies Internet

Unter diesem Titel hat am 7. Juli an der ETH Zürich ein Symposium stattgefunden, an dem drei aktuelle Konfliktfelder diskutiert worden sind. Zur Thematik „Wer beherrscht das Internet“ wurden die Vorarbeiten zum Internet Governance Forum dokumentiert, welches am 30. Oktober 2006 in Athen gegründet wird. In diesem Forum sollten die interessierten Kreise aus Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über Leitlinien des Internetbetriebs und den Digital Divide debattieren. Digital Divide bezeichnet den global wie innerhalb einer Gesellschaft ungleichen Zugang zu digitalen Medien.

Die Diskussion um RFID macht das gewaltige Potential deutlich, mit partikelartigen Chips einzelne Gegenstände automatisiert im „Internet der Dinge“ abzubilden. Während die rein logistischen Anwendungen wenig problematisch erscheinen, können andere Anwendungen die Wareninformationen auch an soziale Prozesse knüpfen, etwa an einzelne MitarbeiterInnen oder KundInnen. Während Prof. Elgar Fleisch auf die Vorstellung des mündigen Konsumenten zurückgreift, der ein Tracking durchaus auch wünschen kann, fordert Datenschützer Bäriswil das autonome Individuum auf, sein informationelle Selbstbestimmung zu verteidigen. Dazu muss der Regulator PET durchsetzen - Privacy Enabling Technology.

In der Auseinandersetzung um die Urheberrechtsrevision sieht Microsoft-Vertreter Stefan Meierhans ganze Segmente der Softwareindustrie und des Kulturbetriebs gefährdet, wenn die kommerzielle Verwertung von Digitalen Objekten nicht mehr gewährleistet ist. Felix Stalder fordert im Gegenzug die Industrie auf, die Herausforderungen mit Innovation statt mit Rechtsmitteln zu beantworten. Endlose juristische Auseinandersetzungen belasten den Staat und hemmen Innovation. Als inkonsistent erscheint die Vorlage in der aktuellen Form, weil einerseits das Recht zu Privatkopie gewährleistet, andererseits die Unantastbarkeit der DRM-Mechnismen verlangt wird.

Ein Blick auf das Programm zeigt, dass eine ganze Menge in einen Nachmittag gepackt worden ist. Zum Glück stand Regenwetter auf dem Meteoprogramm.

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6.7.06

Globale Ungleichheit

An einer Veranstaltung zu „Armut und Ungleichheit auf globaler Ebene“ hat am 6. Juli Stephan Klasen (Göttingen) interessante Thesen dargelegt. So verlief die Entwicklung der Menschheit bis ins 16. Jahrhundert ziemlich ausgeglichen. Erst da begann eine leichte Tendenz zum Abheben von Westeuropa. Die heute sichtbaren gewaltigen Differenzen sind aber erst ab 1820 entstanden, als sich Westeuropa und die USA zu industrialisieren begannen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Szene nochmals einschneidend verändert. Mehrere Gesellschaften, die Mitte des 20. Jahrhunderts noch zu den ärmsten 40 Ländern gehörten, haben sich erfolgreich in die Weltwirtschaft integriert, das Durchschnittseinkommen massiv erhöht und die Armut stark reduziert. Zu dieser Gruppe gehören Indien, China, Taiwan, Thailand oder Indonesien. Völlige Stagnation herrscht jedoch in Afrika, welches von Klasen als zentrales Problem der Zukunft identifiziert wird.

Eine ernüchternde Bilanz zieht der Referent zur Entwicklungshilfe. Bei den Ländern, die erfolgreiche einen Takeoff geschafft haben, hat Entwicklungshilfe keine relevante Rolle gespielt. In einzelnen Aspekten behindert sie gar die die Entfaltung von Potentialen vor Ort, wenn etwa in Tansania die staatlichen Stellen und Fachkräfte stark durch die Abwicklung der Tausenden von unkoordinierten Entwicklungsprojekten absorbiert werden. Wichtiger als neue Geldflüsse sieht der Klasen Beiträge zur Friedenssicherung und politischen Entwicklung an - Bürgerkriege könnten die Bemühungen von Jahrzehnten in Kürze zunichte machen.

Mit dieser Schlussveranstaltung der interdisziplinären Veranstaltungsreihe UZH / ETH Zürich zum Thema Armut ist noch einmal deutlich geworden, dass von der Wissenschaft nüchterne (und doch umstrittene) Teilergebnisse - aber keinesfalls eine Analyse aus einem Guss zu erwarten ist, aus der sich eine konsistente Strategie ableiten liesse. Armut zu beleuchten und zu diskutieren sollte trotzdem verschiedenen Disziplinen ein wichtigeres Anliegen werden.

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5.7.06

iGesellschaft: Internet als kulturelle Revolution?

In einem äusserst anregenden Referat hat Rasmus Fleischer die These vertreten, dass im digitalen Zeitalter die Unterscheidung von ProduzentInnen und KonsumentInnen aufgelöst und darum nicht mehr angemessen ist. Wie passt diese These zu einem Internet, auf dem zunehmend mehr Markt erscheint, Geld verdient wird und Produkte der Konsumindustrie herum geschoben werden?

Es erscheint sinnvoll, Potential und Realität zu unterscheiden. Tatsächlich setzen digitale Technologien ganz neue Potentiale frei, digitalisierbare kulturelle Gegenstände zu bearbeiten, zu transformieren, zu kombinieren und weiter zu verbreiten. Aufgrund der tiefen Kosten sind diese Möglichkeiten einem erheblichen Teil der Weltbevölkerung zugänglich. Tatsächlich haben digitale Technologien das Potential, die Positionen von Produktion und Konsumation zu überschreiten - abseits von staatlicher oder kommerzieller Machtballung neue kulturelle und kommunikative Formen zu ermöglichen. Sie haben gleichzeitig auch das Potential, die Infrastruktur für äusserst konventionelle Formen von Marktkultur abzugeben.

Ein Blick auf das real existierende Internet macht deutlich, dass die innovativen Potentiale lebhaft genutzt werden. So unüberblickbar die Netlabels oder Blogs auch sind: Das Segment der Beteiligungskultur auf dem Internet ist doch beschränkt. Dominant ist das Segment der kulturellen Warenwirtschaft, in der keinerlei Verwischung von Produktion und Konsum festzustellen ist. Stellt sich die Frage, wo jene Teile der Tauschbörsen einzuordnen sind, auf denen nur Produkte der Kulturindustrie herum geschoben werden. Soweit hier einfach Industrieprodukte unter passiv Konsumierenden weiter gegeben werden, muss hier wohl eher von einem gratis SecondHand Segment am Rand der Kulturindustrie als von neuen kulturellen Formen gesprochen werden.

In dieser Perspektive rückt neben Copyright und Kulturindustrie eben auch ein dritter Player ins Rampenlicht, welcher der Entfaltung einer machtarmen und kommunikationsreichen Informationsgesellschaft im Wege steht: die konsumistische Haltung zahlreicher NutzerInnen.

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2.7.06

iGesellschaft: Bibliotheken bluten

In der Diskussion an der „Piratenbüro“-Veranstaltung wurde auf eine wichtige Copyright-Problematik hingewiesen, welche vor allem die konventionellen Medien betrifft. Wie in der EU schon vorgespurt, gibt es auch in der Schweiz Versuche, Bibliotheken mit Tantiemen bei der Ausleihe zu belasten.

Der BBS (Verband der Bibliotheken und der Bibliothekarinnen/Bibliothekare der Schweiz) hat sich offenbar mit Erfolg einer Motion von Motion von Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi entgegen gestellt. Der BBS argumentiert unter anderem: „In den Universitätsbibliotheken wird vorwiegend wissenschaftliche Literatur ausgeliehen, deren Urheber (zum Teil als Universitätsangehörige) von der öffentlichen Hand bezahlt werden, damit sie die Ergebnisse ihrer Forschung zugänglich machen.“

Dieses Argument gilt auch für eine andere Fehlentwicklung, bei der Bibliotheken und SteuerzahlerInnen massiv zur Kasse gebeten werden: Die spezialisierten Verlage haben die Abo-Gebühren für wissenschaftliche Zeitschriften bei Bibliotheksgebrauch in den letzten zehn Jahren massiv erhöht, teilweise in jährlichen Preisschritten von 20 oder 30 Prozent. Da könnte doch der Staat bei der Vergabe von Forschungsmitteln die Auflage machen, dass die Ergebnisse auf frei zugänglichen Medien publiziert werden müssen.

Info beim BBS: Menü BBS / Dokumente und Publikation. Stichwort: Urheberrecht - Bibliothekstantieme.

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