taktil

18.5.06

Copyright – braucht es das?

Dieses Thema haben am 16. Mai VertreterInnen unterschiedlicher Interessen an einer Podiumsdiskussion besprochen. Im Vordergrund stand das Thema Fotografie - den Rahmen bilden die laufenden „Fototage Zürich 2006“.

Die Diskussion zeigte die grossen Differenzen, welche etwa grosse Konzerne von den Kleinproduzenten des Rohmaterials trennen. Ein Beispiel dokumentiert, dass etwa wissenschaftliche Fotos, die auf einer eigens organisierten Expedition geschossen werden, in der Schweiz nicht geschützt werden können. Der Abend machte die vielfältigen Interessenlagen deutlich, die im Vorfeld der laufenden Revision des Urheberrechts am Tischtuch zerren. Aus den Reihen der Berufsfotografen wurde deutlich gemacht, dass weder eine Lockerung noch eine Verschiebung der Rechtlage zugunsten der Produzenten akzeptabel sei. Die Interessen der Öffentlichkeit an freiem Informationsfluss stand an dem Abend nicht im Vordergrund.

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12.5.06

Armut - definierbar?

Ein Podiumsdiskussion hat sich am 12. Mai mit der Beschreibung von Bedürftigkeit beschäftigt: Definitionen der Armut: Relative oder absolute Standards? (1) Caroline Knupfer sieht in den Richtlinien für Sozialhilfe eine differenziertes Konzept verwirklicht. Neben Grundbedürfnissen fliessen auch soziokulturelle und individuelle Aspekte in die Bedarfsbestimmung ein.

Pragmatisch geht Rolf Kappel die Methodenfrage an. Für bestimmte Fragestellungen ist eine absolute Armutsdefinition sinnvoll, etwa bei historischen oder internationalen Vergleichen. Ein kombinierter Ansatz, wie ihn Nobelpreisträger Amartya Sen vorträgt, überzeugt vom Ansatz her, ist aber schwierig handhabbar zu machen. Rolf Kleimann öffnet den Blick hinter die Armutsschwelle und weist auf die starke Differenzierung der Armen hin. Wie eine Armutsschwelle auch definiert sein mag, sie bedeutet für einen 20 jährigen Studenten etwas anderes als für einen 50 jährigen Dauerarbeitslosen.

Das erscheint einleuchtend. Während die mit der Ausrichtung von Sozialhilfe beauftragten Behörden griffige universelle Kriterien benötigen, müssen Diskussionen um Auswege aus der Armut bei den sehr unterschiedlichen Situationen verschiedener Gruppen ansetzen. Im Schluss-Statement plädiert Rolf Kappel dafür, sich bei der Armutsbekämpfung daran zu orientieren, den Betroffenen Freiheiten für ihre Entwicklung zu ermöglichen.

(1) im Rahmen einer Veranstaltungsreihe von ETH / Uni Zürich: Prof. Dr. Rolf Kappel, NADEL, ETH Zürich. Rolf Kleimann, Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung, Universität Tübingen. Caroline Knupfer, Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).

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7.5.06

Freud und unser Unbehagen

Vor 150 Jahren wurde Sigmund Freud geboren. Aktuell bleibt nicht nur die Psychoanalyse, sondern auch sein Beitrag zu einem nüchternen wie differenzierten Menschenbild. In „Das Unbehagen in der Kultur“ setzt Freud den Menschen ins Spannungsfeld zwischen naturhafter Triebhaftigkeit und gesellschaftlicher Kultur. Die Kultur tritt schützend zwischen den Menschen und die Natur. Das teilweise Heraustreten aus der Natur hat aber einen Preis - Triebregulation ist gefordert. Der Umgang mit triebhaften Impulsen einerseits und kulturellen Erfordernissen andererseits erzeugt Unbehagen und erfordert fortwährend Integrationsleistungen des Individuums.

Für Freud ist der Mensch ein Triebwesen - aber nicht nur. Freud attestiert dem Menschen auch ein gewisses Vernunftpotential. Dieser mehrdeutige Ansatz macht auch heute eher Sinn als eingleisig biologistische Menschenbilder, wie sie in „Biopolitik“-Ansätzen oder Neurowissenschaften einmal mehr Konjunktur haben. Ganz zu schweigen von den Vorstellungen einer religiös inspirierten Rechten, die auch im 21. Jahrhundert an der Vorstellung des zutiefst sündhaften Menschen festhält und daraus die Gesellschaft als paternalistische Erziehungsanstalt konzipiert.

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5.5.06

Armut widersprüchlich

Robert Schnepf (Universität Halle) beschäftigt sich in seinem Vortrag “Armut ohne Bedürftigkeit“ mit der ethischen Begründung des Umgangs mit Armut. Er macht insbesondere deutlich, dass er wenig vom Postulieren abstrakter Grundsätze hält, weil die gar nicht handlungswirksam werden.

Den Grund dafür sieht Schnepf darin, dass die Intuitionen des Individuums etwa zum Thema Armut keineswegs aus einem Guss sind. Ein realistischer Blick zeigt eine „Gemengelage“ teilweise widersprüchlicher Intuitionen. Bei der Konfrontation mit einem Bettelnden können so unterschiedliche Intuitionen auftauchen. Etwa „Armen muss geholfen werden“ - „der gehört nicht hierhin“ - „Hilfe soll nur bekommen, wer trotz Anstrengung wirklich arm ist“.

Widersprüchliche Gemengelagen treffen wir aber auch in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung wie in philosophischen Positionen. Anhänger von vertragstheoretischen Gesellschaftsbegründungen wie Hobbes oder zeitgenössisch Rawls bleiben einer Ambivalenz verhaftet. Sie betonen einerseits den freien Willen (um überhaupt vertragsfähig zu sein), fassen den Menschen dann aber doch als Nutzenkalkulierer, der vom Streben nach materiellen Gütern getrieben wird.

Abschliessend betont Schnepf die Notwendigkeit eines Selbstverständigungsprozesses, in den die verschiedenen Intuitionen eingebracht werden müssen. Es gibt im Umgang mit Armut einen Gestaltungsspielraum, der von ökonomischen Bedingungen wohl begrenzt, aber nicht einfach bestimmt wird.

Der Vortrag war teilweise sehr, wenn nicht allzu abstrakt und schwer zu verfolgen. Die ReferentInnen sollten darauf eingestimmt sein, hier vor einem interessierten breiteren Publikum zu sprechen und nicht in einem Seminar. Am andern Ende des Spektrums war letzte Woche das Referat von Christine Brinckmann angesiedelt, welches den Zuhörenden kaum einen Theoriebrocken zumutete.

„Armut ohne Bedürftigkeit: Autonomie in einer Welt von Gütern“ von PD Dr. Robert Schnepf, Philosophisches Seminar, Universität Halle. 4. Mai 2006 im Rahmen einer Veranstaltungsreihe von ETH / Uni Zürich.

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4.5.06

Steine auf dem Weg zur Informationsgesellschaft

Eine Veranstaltung in der Roten Fabrik Zürich hat sich mit Hindernissen und Chancen auf dem Weg zur Informationsgesellschaft befasst. Beat Estermann skizzierte einleitend unter dem Titel "Zugang zu Wissen" den technologischen und gesellschaftlichen Strukturwandel im Gefolge der digitalen Medien. Er verwies auf ökonomische, juristische und „Good Governance“ Argumente, die für freien Zugang zu Wissen sprechen.

Volker Grassmuck referierte über a2k (Access to Knowledge) und Schritte zu einer neuen globalen Informationsordnung. Einleitend verwies er auf die Spanne zwischen Möglichem und Realem in Sachen Zugang zu Informationen. Er übertrug die Grundelemente von freier Software auf die Handhabung von Information überhaupt (freier Gebrauch, Einsicht in Quellcode, Kopierbarkeit, Modifikation).

Guillaume Chenevière stellte die Verbindung von Public Service Broadcasting und digitalen Medien hin. Er verlangt die Freigabe des Materials durch öffentlich rechtliche Sender und wies auf die Notwendigkeit hin, die Substanz des Service Public bei den elektronischen Medien zu verteidigen.

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass sich die Problematik nicht auf die rechtliche Beschränkung von Informationsflüssen beschränkt werden kann. Bei uns wie in der Dritten Welt würden frei gesetzte Informationsströme möglicherweise auf wenig interessierte und überforderte EmpfängerInnen stossen.

Die Veranstaltung war reich befrachtet und lieferte interessante Anregungen. Wünschenswert ist meines Erachtens ein genaueres Bild der gesellschaftlichen Felder, wo die rechtlichen Restriktionen hemmend wirken und freier Wissenstransfer substanzielle Fortschritte bringen würde.

Weitere Infos bei der mit veranstaltenden „Digitalen Allmend“.

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