Carl Schmitts autoritärer Diskurs 5
Wir haben in drei Beiträgen einige Positionen skizziert, mit denen Carl Schmitt in der Weimarer Republik aufgetreten ist: Den
Dezisionismus, welcher die Handlungsfähigkeit des Staates über Menschenrechte und Demokratie stellt. Seine Ablehnung von
Parlamentarismus und Pluralismus, denen er das Konzept eines homogenes Staatsvolks entgegenstellt. Und seine Vorstellung von Politik, die er als unversöhnlichen Gegensatz von
Freund und Feind gestaltet.
Dass Schmitt bewusst und gezielt zur Schwächung und zum Untergang der Weimarer Republik beigetragen hat, wiegt genau so schwer wie seine aktive Rolle unter den Nationalsozialisten. Während letzteres lebhaft diskutiert wird, bleibt seine Rolle vor 1933 wenig kontrovers. Schmittianer können gar kein Problem erkennen. Aber auch die differenziert analysierende Ellen Kennedy findet, Schmitt, er habe trotz seiner Distanz zur liberalen Demokratie eine Lösung der politischen Probleme Weimars im Politischen und dessen Verfassung gesucht (1).
Eine Lektüre der wichtigen Texte zeigt aber nicht eine kritische, sondern eine ablehnend feindliche Haltung der Weimarer Verfassung und gerade den Teilen gegenüber, welche sie vom kaiserlichen Deutschland absetzten: Parteienvielfalt, Gewaltentrennung oder Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem Parlament.
Sein Katholizismus stand Schmitts Vorliebe für autoritäre Staatsformen bestimmt nicht im Wege. Allerdings orientiert er sich mehr an Vorstellungen katholischer Autorität als an unmittelbar theologischen Argumente. Er bezieht sich auf katholische Antiliberale des 19. Jahrhunderts wie de Maistre oder Donoso Cortes - und nicht auf päpstliche Enzykliken. Ob er gläubig war, ist kaum von Bedeutung. Bereits im 19. Jahrhundert war in Frankreich ein
glaubenloser Katholizismus sichtbar geworden, den bloss die hierarchische Mechanik faszinierte - nicht der religiöse Inhalt. Ganz ein Kind seiner Zeit baut Schmitt bei seinen mystische Argumentationslinie mit Elementen der politischen Mythenkonzepte von Sorel kombiniert mit einer angedeuteten Letztbegründung durch eine Macht im Jenseits.
Nichts wäre falscher, als in Schmitt einen ewig gestrigen zu sehen. Ellen Kennedy unterstreicht, dass er als er als Teil der „Generation von 1910“ vom Expressionismus bewegt wurde und sich mit avancierter Kultur auseinandersetzte. Der Bewegte bleibt beweglich. In den zwanziger Jahren setzt er - mit vielen GesinnungsgenossInnen auf ein Ende der Weimarer Republik von rechts. 1933 wird er Nationalsozialist.
Im Zweiten Weltkrieg, als die Wehrmacht für das Dritte Reich „Lebensraum“ im Osten erobert, wendet sich der Staatstheoretiker begrifflich vom Staat ab. Sein neues Konzept heisst nun „Grossraum“.
(1) Ellen Kennedy: Constitutional Failure. Carl Schmitt in Weimar. London 2004.
Vorangehende Beiträge zu Carl Schmitt:1
Karrieren rechten Denkens2
Begründung diktatorischer Herrschaft3
Kritik des Parlamentarismus4
Politik als Kampf gegen den FeindLabels: Antiliberalismus, Liberalismus, Philosophie, Politik