taktil

22.3.08

Olympisches Zwielicht

Dass China sich rapide modernisiert und sich mit den olympischen Spielen der Welt im besten Licht präsentierten will, kann leicht nachvollzogen werden. Eine andere Geschichte ist dann aber, dass der chinesische Staat als diktatorisches Regime herrscht. Diese Art von Regierungen sind besonders begierig darauf, Olympiaden und ähnliche Grossveranstaltungen zur Stärkung ihrer Legitimität einzusetzen.

Genau an dieser Legitimität fehlt es China im Tibet. Die militärische Eroberung und die anschliessende Integration in den chinesischen Nationalstaat geschah gegen den Willen der grossen Mehrheit der tibetischen Bevölkerung. Neben die politische Kontrolle tritt eine von Peking subventionierte Migration, welche die guten Positionen in Wirtschaft und Verwaltung besetzt.

Boykottdrohungen sehen in der momentanen Situation nicht unbedingt erfolgversprechend aus. Klare Positionsbezüge sind hingegen angebracht. Wer sich mit problematischen Regimes auf symbolische Inszenierungen einlässt, findet sich nicht unerwartet in der Rolle des Legitimitätsbeschaffers wieder. So haben sich das Internationale Olympische Komitee, aber auch Denkmalbauer wie Herzog & de Meuron, auf einer ganz anderen Ebene exponiert als etwa ein europäisches Unternehmen, das Rollkoffer oder Spielzeug in China herstellt.

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